In meinem Blog erfahren Sie mehr über die Erfahrungen, die ich im Wahlkampf sammeln durfte, meine politischen Positionen und die Themen, die ich als Landrat gern bearbeiten möchte.

Qualitätsoffensive Hamburg–Hannover 2026

Oder: Wie man pünktlicher werden will, indem man erstmal gar nicht fährt.

Am Dienstagabend erklärte die Deutsche Bahn mir und knapp 200 interessierten Bürgerinnen und Bürgern in der Ritterakademie Lüneburg, was Sie unter einer „Qualitätsoffensive“ versteht. Sie fährt vorerst im Sommer diesen Jahres einfach gar nicht mehr.

Einmal vorweg, damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Investitionen in die Strecke von Hamburg nach Hannover sind dringend nötig. Die 163 Kilometer zählen mit einer Auslastung von 147 Prozent zu den am stärksten überlasteten und damit unpünktlichsten Bahnlinien Deutschlands. Gleise, Weichen, Stellwerke – all das muss erneuert werden. Die Bahn wählt allerdings meines Erachtens nach den falschen Weg und sorgt damit für Frust und Enttäuschung bei Pendlerinnen und Pendlern und gibt Wasser auf die Mühlen derjenigen, die dem Bahnverkehr eh nichts abgewinnen können. 

Doch zurück zum gestrigen Abend. Ab Mai 2026 wird die Strecke Hamburg–Hannover für ganze zehn Wochen komplett gesperrt. Kein Fernverkehr, der Metronom Richtung Hannover eingestellt, keine Züge – dafür Busse. Sehr viele Busse. Offenbar ist das der Weg zu mehr Pünktlichkeit: Man lässt die Züge einfach stehen.

Offiziell ist das Ganze eine „Investition in die Zukunft“. Inoffiziell ist es eine kollektive Geduldsprobe für alle Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer. Wer künftig nach Hannover möchte, darf fast drei Stunden Reisezeit einplanen. Für mich persönlich geht es danach immer noch weiter nach Hildesheim, wo ich arbeitsbedingt regelmäßig hin pendeln muss. 

Der Schienenersatzverkehr bringt dabei alles mit, was Bahnfahren schon heute so aufregend macht, nur in der XL-Version: unkalkulierbare Fahrzeiten, unklare Anschlüsse und die permanente Frage, ob man überhaupt mitkommt. Fahrradmitnahme? Leider nein. Toiletten bei drei Stunden Fahrzeit? Leider auch nicht.

Bis Mai bleibt also noch etwas Vorbereitungszeit: Urlaub beantragen, Fahrgemeinschaften organisieren, Proviant (und Windeln) einkaufen, Powerbank laden und sich mental irgendwo zwischen Fassungslosigkeit, Resignation und Galgenhumor einpendeln. 

Wenn eine „Qualitätsoffensive“ so rücksichtslos auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen wird, ärgert mich das. Hier hätte die Bahn von Beginn an besser planen müssen, Angebote schaffen müssen, die Pendlerinnen und Pendler nicht im Regen stehen lassen. Warum gibt es beispielsweise keine durchgehende Express-Bus-Verbindung nach Hannover, Celle und Uelzen? Wieso kann keine eingleisige Befahrbarkeit der Strecke gewährleistet werden? Lässt sich der Takt nicht zeitweise ausdünnen?

Zudem kommt immer wieder die nagende Frage nach dem letztendlichen Nutzen auf. Die Strecke wird weiterhin mit 147% Auslastung weit über ihrer eigentlichen Kapazität befahren werden, was die Infrastruktur zeitnah erneut auf dem Zahnfleisch laufen lassen wird. Entlastung kann hier nur eine Neubautrasse entlang der A7 bringen. Doch bis dahin heißt es: Hoffen, dass die Sanierung zumindest kleine Verbesserungen bringt und aus den Fehlern dieser Sanierung lernen, denn 2029 geht es weiter mit der Generalsanierung. Ich freue mich schon!

Mein Besuch bei der Arbeitsgemeinschaft Lüneburger Verkehrsfreunde e.V.

Gemeinsam mit der Samtgemeindebürgermeisterkandidatin Karoline Feldmann war ich zu Gast bei den Verkehrsfreunden Lüneburg e.V. In einem rund dreistündigen Gespräch stellte der Verein seine Arbeit, seine Fahrzeuge und die aktuellen Herausforderungen rund um die Bleckeder Kleinbahn vor. Beeindruckend war vor allem, mit wie viel Fachwissen, Engagement und Leidenschaft hier Eisenbahngeschichte lebendig gehalten wird.

Die Verkehrsfreunde engagieren sich seit 45 Jahren ehrenamtlich für den Erhalt der historischen Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Bleckede und betreiben eine der erfolgreichsten Museumsbahnen Norddeutschlands. Gleichzeitig trägt der Verein große Verantwortung für den Betrieb und die Instandhaltung der Strecke, die ohne zusätzliche Unterstützung langfristig gefährdet ist.

Dabei ist die Bleckeder Kleinbahn weit mehr als eine Museumsbahn. Sie stärkt den Tourismus, unterstützt die regionale Wirtschaft und hält eine Bahnstrecke betriebsfähig, die perspektivisch auch für den regulären Personenverkehr reaktiviert werden könnte. Prognosen zeigen, dass täglich bis zu 2.800 Fahrgäste diese Verbindung nutzen würden. 

Deutlich wurde auch: Die Verantwortung für diese öffentliche Infrastruktur liegt derzeit zu großen Teilen auf den Schultern von Ehrenamtlichen. Sie investieren Zeit, Geld und Fachwissen, um eine Strecke zu erhalten, die dem Land Niedersachsen gehört und für die es bislang keine verlässliche Förderperspektive gibt. 

Für mich ist klar: Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Landkreis Lüneburg gemeinsam mit dem Land Niedersachsen konkrete Perspektiven für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Bleckeder Kleinbahn schafft. Es geht darum, vorhandene Infrastruktur zu sichern, ehrenamtliches Engagement zu unterstützen und die Grundlage für eine bessere Verkehrsanbindung im ländlichen Raum zu legen.

Mir wurde auch deutlich, dass der Landkreis Lüneburg eine zentrale Anlaufstelle für 
Fördermittelberatung benötigt, um Vereine und kreisangehörige Kommunen gezielt bei der Umsetzung ihrer Projekte zu können. Mein herzlicher Dank gilt den Verkehrsfreunden Lüneburg für den offenen Austausch, die eindrucksvollen Einblicke und ihren unermüdlichen Einsatz für unsere Region.